Ratgeber · Aktualisiert am 19. September 2026

Beste App zum Kurdisch lernen (2026)

Kurze Antwort: für das Kurdisch des Alltags — Begrüßungen, Familie, Telefonate nach Hause — ist Dialect der direkteste Weg: Kurmandschi im lateinischen Alphabet, jedes Wort von einer muttersprachlichen Stimme eingesprochen, Spaced Repetition und Sitzungen von fünf Minuten. Für einen vollständigen Grammatikkurs sind das Kurdische Institut in Paris und einzelne spezialisierte Apps sinnvolle Ergänzungen — mehr dazu im Vergleich weiter unten.

Warum Kurdisch eine eigene App braucht

Kurdisch ist weder Arabisch noch Türkisch

Es ist die häufigste Fehlannahme, und sie kostet Lernende Monate. Kurdisch ist eine indogermanische Sprache aus dem iranischen Zweig. Es ist mit dem Persischen verwandt, nicht mit dem Türkischen (einer Turksprache) und nicht mit dem Arabischen (einer semitischen Sprache). Wer in Deutschland aufgewachsen ist und zu Hause Türkisch gehört hat, bringt für das Kurdische also keinen grammatischen Vorsprung mit — wohl aber ein trainiertes Ohr für die Laute.

Praktisch heißt das: ein Arabisch- oder Türkischkurs hilft beim Kurdischen nicht weiter. Und da die großen Anbieter unter „Arabisch“ ohnehin Modernes Hocharabisch verkaufen, führt dieser Weg doppelt in die Irre.

Kurmandschi oder Sorani: zwei Varietäten, zwei Alphabete

Kurdisch ist keine einheitliche Sprache mit einer Schrift. Die beiden großen Varietäten trennen mehr als nur Wörter:

Zwei Kurden können also miteinander Kurdisch sprechen und sich trotzdem gegenseitig nicht lesen. Für Deutschland ist die Antwort eindeutig: die kurdische Einwanderung kam ganz überwiegend aus der Türkei, also ist Kurmandschi die Varietät der Familien hier. Wer eine App wählt, sollte zuerst prüfen, welche Varietät sie überhaupt unterrichtet — viele sagen es nicht dazu.

Eine unterdrückte Sprache, eine brüchige Weitergabe

Kurdisch war in der Türkei jahrzehntelang aus Schule und Öffentlichkeit verbannt. Viele Eltern, die heute in Deutschland leben, wurden ausschließlich auf Türkisch beschult und haben ihre eigene Sprache nie schreiben gelernt. Die Folge kennen viele aus der eigenen Familie: man versteht, aber man antwortet auf Deutsch.

Zur Größe der kurdischen Bevölkerung in Deutschland kursieren Zahlen zwischen einer und 1,3 Millionen. Eine amtliche Statistik dazu gibt es nicht: Deutschland erhebt keine Daten zur ethnischen Zugehörigkeit, alle Angaben sind Schätzungen, meist fortgeschrieben aus einer Zahl der Bundesregierung von 2011. Die Größenordnung ist unstrittig — die Genauigkeit nicht, und wer sie behauptet, hat sie erfunden.

Diese Lücke erklärt, warum das Angebot so dünn ist: eine große Sprechergemeinschaft, aber keine Nachfrage, die sich in Schulbuchverlagen und App-Katalogen niederschlägt.

Die vier Kriterien einer guten Kurdisch-App

  1. Die richtige Varietät, klar benannt. Kurmandschi oder Sorani — und nicht bloß „Kurdisch“. Steht es nirgends, ist es ein schlechtes Zeichen.
  2. Hörbares Audio zu jedem Wort. Kurdisch hat Laute, die das Deutsche nicht kennt. Ohne Ton lernt man eine Schreibweise, keine Sprache.
  3. Ein Wiederholungssystem. Wortlisten ohne geplante Wiederholung werden binnen zwei Wochen vergessen. Spaced Repetition ist der einzige Mechanismus, der dagegen nachweislich hilft.
  4. Alltagswortschatz statt Reiseführer. Wer mit der Großmutter telefonieren will, braucht Familie, Essen und Gefühle — nicht „Wo ist der Bahnhof?“.

Dialect in der Praxis

Sprachauswahl in Dialect: 18 seltene Sprachen mit ihren Flaggen, darunter Kurdisch
18 Herkunftssprachen zur Auswahl, jede mit ihrer Flagge — Kurdisch ist dabei.

Dialect deckt das Kurmandschi mit 308 Wörtern und Wendungen und ebenso vielen Audiodateien ab, nach Themen geordnet und mit Spaced Repetition wiederholt. Die Aufnahmen stammen von einer muttersprachlichen Stimme. Die App ist kostenlos mit einer Sitzung pro Tag und Sprache und läuft auf iPhone, iPad, Android und im Browser.

Was sie nicht ist: ein Grammatikkurs. Für Fallendungen, Ergativkonstruktionen und längere Sätze braucht es danach eine andere Quelle. Das steht so auch im Vergleich unten.

Dialect kostenlos testen

Auch direkt im Browser nutzbar, ohne Installation: mydialect.io/app

Ehrlicher Vergleich der Alternativen

Stand: 19. September 2026, Anbieter für Anbieter geprüft.

Angebot Stärken Grenzen
Dialect Kurmandschi, muttersprachliche Aufnahmen, Spaced Repetition, 5-Minuten-Sitzungen, kostenlose Tagessitzung Alltagswortschatz, kein Grammatikkurs
Duolingo, Babbel, Busuu, Mondly, Rosetta Stone, Pimsleur, Mango Bewährte Methoden, große Kataloge Bieten kein Kurdisch. Duolingos Freiwilligenprogramm, über das kleinere Sprachen hineinkamen, wurde 2021 eingestellt
uTalk Kurmandschi und Sorani im Katalog, Themenwortschatz, Aussprachevergleich Wortschatz- und Satztraining, kein durchgehender Kurs, kein geplantes Wiederholungssystem
Glossika Satzbasiertes Training mit vielen Wiederholungen Nur Sorani. Kurmandschi fehlt — für Kurdinnen und Kurden aus der Türkei also die falsche Varietät
Einzelunterricht (Preply, italki) Eine echte Person, Korrektur der Aussprache, freie Themenwahl Sehr dünn besetzt: rund 15 Lehrkräfte bei Preply, etwa 8 bei italki — für Millionen Sprecherinnen und Sprecher
Kurdisches Institut Paris Kurse in Kurmancî und Soranî, in Präsenz und online, institutionelle Verankerung seit 1983 Schuljahresrhythmus, Unterrichtssprache Französisch, feste Termine
YouTube, Wörterbücher Kostenlos, echte Stimmen, große Bandbreite Keine Progression, keine Wiederholung, Qualität sehr ungleich

Die nüchterne Bilanz: keine der großen Plattformen unterrichtet Kurdisch. Es bleiben eine Handvoll spezialisierter Angebote, ein sehr dünner Markt für Einzelunterricht und ein Institut in Paris. Für eine Sprache mit dieser Sprecherzahl ist das wenig.

Welche Lösung passt zu wem?

Die Methode, die funktioniert — unabhängig von der App

Zehn Minuten täglich schlagen zwei Stunden am Wochenende. Das ist keine Floskel, sondern das Ergebnis von über hundert Jahren Gedächtnisforschung: jede Wiederholung kurz vor dem Vergessen verlängert das Intervall, in dem das Wort abrufbar bleibt.

Drei Gewohnheiten, die den Unterschied machen:

  1. Laut nachsprechen. Stilles Lesen trainiert das Auge, nicht den Mund.
  2. Ein echtes Gegenüber suchen. Ein wöchentliches Telefonat mit einem Familienmitglied bringt mehr als jede zusätzliche App.
  3. Den Tag nicht auslassen. Lieber zwei Minuten als null — die Kette zu halten ist wichtiger als die Länge der Sitzung.

Häufige Fragen

Kurmandschi oder Sorani: welche Varietät soll ich lernen?

Für die allermeisten Kurdinnen und Kurden in Deutschland ist es Kurmandschi, weil die Einwanderung ganz überwiegend aus der Türkei kam. Sorani ist die Varietät des Nordiraks und des westlichen Iran und wird in arabischer Schrift geschrieben. Im Zweifel hilft eine einfache Frage in der Familie: schreibt man zu Hause mit lateinischen Buchstaben, ist es Kurmandschi.

Kann man mit Duolingo oder Babbel Kurdisch lernen?

Nein. Weder Duolingo noch Babbel, Busuu, Mondly, Rosetta Stone, Pimsleur oder Mango bieten einen Kurdischkurs an. Duolingo hat 2021 sein Freiwilligenprogramm eingestellt, über das kleinere Sprachen überhaupt in den Katalog kamen — ein Kurdischkurs ist dort auf absehbare Zeit nicht zu erwarten. Bei uTalk gibt es Kurmandschi und Sorani, allerdings als Wortschatztraining, nicht als durchgehenden Kurs.

Ist Kurdisch mit dem Türkischen oder dem Arabischen verwandt?

Mit keinem von beiden. Kurdisch gehört zum iranischen Zweig der indogermanischen Sprachen und steht dem Persischen nahe. Die Verwandtschaft zum Türkischen ist etwa so groß wie die zwischen Deutsch und Ungarisch: gemeinsame Lehnwörter, aber keine gemeinsame Grammatik.

Wie lange dauert es bis zu einem einfachen Gespräch?

Mit 5 bis 10 Minuten täglich etwa vier bis sechs Wochen für den Alltagswortschatz — Begrüßung, Familie, Essen, einfache Fragen. Für längere Sätze braucht es danach Grammatik, und dafür eine andere Quelle als eine Wortschatz-App.

Sind die kurdischen Wörter in Dialect von einer echten Stimme aufgenommen?

Ja, das Kurmandschi ist von einer muttersprachlichen Stimme eingesprochen. Das gilt bei Dialect nicht für jede Sprache — bei einigen kommt das Audio aus einer Sprachsynthese, und wir schreiben „muttersprachlich“ nur dort hin, wo es stimmt.

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